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Der neue Suzuki DF140BG / DF115BG „Drive-by-Wire“

Ein Beitrag von Claus D. Breitenfeld aus dem Motorboot Magazin, Ausgabe 10/2021
Fotos u. Grafiken: Breitenfeld / Suzuki

Suzuki-Marine präsentierte im Leistungsbereich 140 PS und 115 PS seines Außenborder-Programmes ein neues Antriebsaggregat und die erste, elektrisch gesteuerte „Drive-by-Wire“-Schalteinheit in dieser Motorenkategorie. Die Deutschland-Premiere auf dem Ammersee fand statt unter Begleitung des „MotorBoot-Magazin“, als Testboot fungierte ein finnisches „Silver Shark CCX“-Aluminiumboot des Uttinger Importeurs „Boat Solutions GmbH“.

Suzuki DF140BG, Testbericht im Motorboot Magazin, Foto: Breitenfeldfeld
Rund 1.300 kg Testgewicht werden vom brandneuen „Suzuki DF140BG“ auf beachtliche Vmax von 64 km/h (34,6 kn) in lediglich 12,5 Sekunden katapultiert.

Dass das Augenmerk nicht immer nur zwangsläufig und ausschließlich auf die größten Antriebsboliden fallen muss, die Suzuki sowieso seit geraumer Zeit bei den Modellreihen ab 150 PS bis hinauf nach 350 PS mit einer elektronischen Präzisions-Schaltbox ausstattet, diesen Gegenbeweis tritt der japanische Motorenbauer nun mit der völlig überarbeiteten Baureihe „DF140BG / DF115BG“ an. Seit Jahren in Sachen Zuverlässigkeit und Präzision bewährt, hält jetzt die revolutionierende „Driveby-Wire“-Technologie nun auch bei kleineren Modellen Einzug, ist doch Suzuki schon immer bekannt dafür, auch jener Kundenklientel fortschrittlichste Technologien anzubieten, deren Potential und Bedürfnisse sich nicht ausschließlich auf allerhöchstem Power-Level bewegen. In diesem Zusammenhang darf man sicherlich auch gespannt sein, ob und wann Suzuki den Weg einschlägt, die gesamte Range seiner Motorenpalette in punkto Ansteuerungstechnik auf Elektrosensibilisierung umzustellen und somit Abschied nehmen würde, von der zuweilen nervig-aufwändig zu installierenden Bowdenzug-Montage. Dazu Axel Fischer, Senior Manager Sales and Marketing von Suzuki-Marine Deutschland: „Entscheidungen dieser Art werden maßgeblich beeinflusst von den Anforderungen und Wünschen der Bootshersteller. Je vehementer deren Verlangen nach breitgefächerter Realisierung dieser inzwischen weitgehend ausgereiften Technik ist, umso intensiver die hausinterne Thematisierung“.

Willkommene Innovation

Mit der aktuellen Fokussierung auf die baugleiche, vierzylindrige Reihen-4-Takt-Typenklasse „DF140BG und DF115BG“, welche sich powermäßig technisch lediglich durch sogenannte „Kunstgriffe“ auf elektronischer Basis unterscheidet, soll erreicht werden, einem möglichst breiten Kundenpotential den Zugriff auf leistungsstarke Antriebs-Alternativen zu eröffnen. Darüber hinaus dürfte es für viele Werften im Mittelklassebereich, egal, ob Daycruiser oder profane offene Schale, eine willkommene Innovation darstellen, nunmehr auf ein Antriebsaggregat zurückgreifen zu können, dessen geschmeidige Handhabung bislang nur im absolut hochpreisigen Segment anzutreffen war. Nicht außer Acht lassend unter anderem die Einfachheit der Installation, unglaublich seidenweiches Schalten sowieso, die spontane Gasannahme ohne jegliche Verzögerung, mehr Leistung und verbesserte Kraftstoffeffizienz.

Suzuki DF140BG, Testbericht im Motorboot Magazin, Foto: Breitenfeldfeld
Kompakte, hocheffiziente, völlig neu überarbeitete Motorentechnik unter der stromlinienförmigen Haube.
Suzuki DF140BG, Testbericht im Motorboot Magazin, Foto: Breitenfeldfeld
Das neue Herzstück der neuen „Drive by Wire-Technik“ – der Stellmotor für die elektrische Schaltung – präsentiert sich unauffällig platziert, dennoch bestens zugänglich, in unmittelbarer Nähe des Ölfilters.

Als offenkundige Verbesserungen dieser zwei Liter Hubraum-Boliden im Vergleich zu den Vorgängermodellen wird in den Fokus gestellt das optimierte Kompressionsverhältnis von 10,6:1, das sich deutlich positiv auf die spontane Beschleunigung und Zugkraft auswirkt. Ein besonders unter anderem von Wasserskiläufern willkommen geschätzter Nebeneffekt, einhergehend mit zudem nochmals optimierter Kraftstoffeffizienz im mittleren bis hohen Geschwindigkeitsbereich des „DF140BG“ um fünf bis sieben Prozent, beim „DF115BG“ immerhin noch fünf bis sechs Prozent.

O2-Sensor des Suzuki DF140BG, Testbericht im Motorboot Magazin, Foto: Breitenfeldfeld
Der „O2-Sensor“ des „Lean Burn Systems“. Er misst den Restsauerstoffgehalt der Ansaugluft und gibt diese Daten zur Optimierung und Berechnung des Kraftstoffverbrauches an die Elektronik weiter.
Suzuki DF140BG, Testbericht im Motorboot Magazin, Foto: Suzuki
Die neuen Suzuki Motoren als “Drive-by-Wire” Antriebs-Boliden im farblichen Outfit „Pearl Nebular Black“. Wahlweise können beide Motoren in der Farbe „Super Cool White“ geordert werden.

Erhöht wurde auch die Lichtmaschinenleistung, die jetzt mit maximal 40 Ampere bei beiden Modellen überzeugt. Durch die Modifizierung des Luftstromes konnte unter anderem eine Verbesserung der Kühlung erreicht werden, mit dem Effekt, dass bereits im Leerlaufdrehzahlbereich von lediglich 700 U/min 3 Ampere mehr Stromstärke geliefert wird, als dies vorher der Fall war. Ein entscheidender Vorteil im Fischereibetrieb beim Schleppangeln, das in der Regel im Niederdrehzahlbereich vonstatten geht, die Lichtmaschine in der Regel jedoch auf Sparflamme arbeitet, bei dem viele Skipper allerdings ungern auf den dauerhaften Betrieb des „Suzuki-SMD“ (Multifunktions-Display) verzichten möchten.

Highlights auf einen Blick

  • Schaltsignale werden elektrisch an den Motor übertragen, das mechanische Steuerkabel ist Geschichte. Vorteil – keine Reibung, kein Widerstand;
  • Servicefreundlichkeit beim Öl- und Filterwechsel durch Ölauffangwanne. Vorteil – keine Wasserverschmutzung;
  • Größerer Kraftstofffilter. Vorteil – integriertes Wassererkennungssystem, einfacher Austausch;
  • Modifiziertes Getriebegehäuse. Vorteil – Optimierung des Getriebeölkanals, dadurch vom Ritzel erzeugter Unterdruck sich positiv auf die Zirkulation des Öls auswirkend und temperatursenkend, mit dem Effekt höherer Lebensdauer;
  • Neues Lufteinlasssystem. Vorteil – Senkung der Ansaugtemperatur, Absorbierung von Wasser aus der Ansaugluft;
  • Direkte Zündung. Vorteil – integrierte Zündspulen in den Zündkerzensteckern, vereinfachte Verkabelung und Teilereduzierung, Erhöhung der Verbrennungseffizienz;
  • Optimierte Einbauposition des O2-Sensors. Vorteil – einfachste Zugänglichkeit;
  • Hohes Verdichtungsverhältnis von 10,6:1. Vorteil – höheres Drehmoment;
  • Versetzte Antriebswelle. Vorteil – Schwerpunkt des Motors in Fahrtrichtung verlagert, weniger Vibrationen, kompaktere Bauweise;
  • Zweistufiges Untersetzungsgetriebe. Vorteil – hohes Drehmoment auch bei großen Lasten, Installation größerer (Arbeits-) Propeller möglich;
  • Resonator. Vorteil – Verringerung der Luftschwingungen und somit Reduzierung der Geräuschentwicklung;
  • Neue Lichtmaschine. Vorteil – bessere Belüftung der Spulen, 3 Ampere höhere Leistung im Leerlauf, um angeschlossene Systeme sicher betreiben zu können;
  • Lean Burn-System. Vorteil – Magerverbrennungskontrolle zur Kraftstoff-Effizienz;
  • Selbsteinstellende Steuerkette. Vorteil – hydraulischer Spanner, wartungsfreie Arbeitsweise im Ölbad;
  • Keyless Startsystem. Vorteil – Start mit Schlüssel in der Hosentasche;
  • SDSM-System. Vorteil – Scannen des angezeigten QR-Code und Übermittlung an den Servicehändler zur Fehlererkennung und Ferndiagnose;
  • Doppelter Unterwassereinlass. Vorteil – Schutz vor Verstopfung und Überhitzung;
  • Troll-Mode-System. Vorteil – stufenweise, präzise Drehzahlsteuerung bis 1.200 U/min.
Silver Shark CCX von Boat Solutions beim Testbericht zum Suzuki DF140BG im Motorboot Magazin, Foto: Breitenfeld

Im Sinne des Umweltschutzes

Und nach dem Motto „wenn schon, denn schon“, wurde auch an einer neu gestalteten Motorhaube gearbeitet. Sie verfügt nun über ein Lufteinlass-System, das die Gefahr des ungewollten, sogenannten Wasserschlages deutlich vermindert und gleichzeitig über einen Schalldämpfer, der das Motorengeräusch in allen Drehzahlbereichen deutlich minimiert. Doch damit nicht genug, auch routinemäßige Motorenservice-Checks, wie zum Beispiel der Ölwechsel – zuweilen gerne in Eigenregie erledigt und das evtl. unter Umständen sogar im Wasser – kann mitunter zur heiklen Aktion in Sachen Umweltverschmutzung werden. Auch dazu hat Suzuki eine Lösung gefunden: Ein Ölauffangbehälter umgibt die Ölfilterhalterung. Somit kann beim Herausdrehen des Filters kein Öl unkontrolliert ins Wasser gelangen. Ergänzt wird das Ganze darüber hinaus durch einen bequem zugänglichen Kraftstoff-Filter mit Wassererkennung, der den Motor zusätzlich vor unliebsamen Störungen schützt.

Suzuki DF140BG / DF115BG

DF140BG / BG115BG
Leistung kW (PS)103 (140) / 85 (115)
Arbeitsweise4-Takt
Zylinderzahl4
Hubraum ccm2.045
Drehzahl (U/min)5.600 – 6.200
Bohrung / Hub (mm)86 x 88
Verdichtung10,6 : 1
Ventile (DOHC)16 (2 oben liegende Nockenwellen)
Getriebeuntersetzung2,59 : 1
Kraftstoffeinspritzungsequentiell elektronisch
Startsystemelektrisch
ZündsystemTransistor vollelektronisch
Fernbedienungelektrisch F – N – R
Gewicht (kg) L / X188 / 192
Spiegelhöhe (mm)L – 511 / X – 638
Ölfüllmenge (L)5,5
KraftstoffqualitätBenzin RON 91 / AKI 87
Lichtmaschine (A)700 U/min = 20 / 6.000 U/min = 40
Motor-Trimmpos.Power und Tilt
AuspuffPropellernabe
Propeller3 x 15″-25″(RR) bis 3 x 17″-23″(CR)
Suzuki DF140BG, Testbericht im Motorboot Magazin, Foto: Breitenfeldfeld
Großer, einfach zu wechselnder Kraftstofffilter mit Wassermelder. Er schützt den Motor vor verunreinigtem Sprit. Axel Fischer (l), Senior Manager Sales and Marketing Suzuki-Marine, am Ruder des Testprobanden Silver Shark CCX beim Fachsimpeln mit Boat Solutions-Geschäftsführer Dominik Entzminger.
Suzuki DF140BG, Testbericht im Motorboot Magazin, Foto: Breitenfeldfeld
Bestens zugänglicher Ölfilter mit neuer Ölwechsel-Auffangwanne zur Vorbeugung gegen Ölverschmutzung.

Verändertes Outfit

Doch nicht nur unter der Motorhaube hat sich Entscheidendes verändert. Auch visuell hat Suzuki Nägel mit Köpfen gemacht. Auffällig das neue, stromlinienförmige, sportliche Design, das optisch dem Trend des heutigen modernen Bootsbaues Rechnung trägt. Verfügbar in zwei Schaftlängen von 20 Zoll (L = 511 mm) und 25 Zoll (X = 638 mm). Dass dabei die Grafik und das Farbschemata nicht zu kurz kommen dürfen, versteht sich eigentlich von selbst. Bootseigner haben die Wahl zwischen „Pearl Nebular Black“ und „Super Cool White“. Beide neuen Motortypen der Serie „BG“ können ab sofort im einschlägigen, autorisierten Händlernetz geordert werden. Parallel dazu werden allerdings auch noch weiterhin die Vorgängermodelle der Baureihe „A“ angeboten.

Fahreigenschaften

Ausdrücklich sei hier an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich der Schwerpunkt der aktuellen Präsentation bewusst und ausschließlich auf die neue Suzuki-Motorengeneration „DF140BG und DF115BG“ fokussiert. Einen ausführlichen, fahrtechnischen Testbericht werden wir in Verbindung mit dem brandneuen Aluminium-Probanden „Silver Shark CCX“ in einer der nächsten Ausgaben des „MotorBoot-Magazin“ publizieren. Dennoch sei vorab so viel verraten: Seidenweiches, so gut wie geräuschloses Einkuppeln in die jeweilige Getriebeposition mit nur zwei Fingern, spontane Gasannahme über den gesamten Drehzahlbereich, und – wenn auch nicht explizit zur Nachahmung empfohlen – sollte ´mal von „voll voraus“ aus irgendwelchen Gründen das plötzliche Umschalten auf „voll zurück“ vonnöten sein, auch diese Aktion überstehen Getriebe, Kegelräder und Antriebswelle absolut schadlos. Die Elektrik macht’s möglich: Erst nach entsprechender Drehzahlreduzierung wird der eigentliche Schaltvorgang realisiert.

Silver Shark CCX

HerstellerlandFinnland
Motorisierung TestSuzuki DF140BG “Drive-by-Wire”
AntriebsartAußenborder, 4-Zylinder, 4-Takt
Preis Standard /Testschiff (€)29.400,- ohne Motor / 49.900,-
Silver Shark CCX von Boat Solutions beim Testbericht zum Suzuki DF140BG im Motorboot Magazin, Foto: Breitenfeld

Messwerte

FahrstufeDrehzahl
U/min
Geschwindigkeit Verbrauch Schallpegel*
kn / (km/h)
Verbrauch
l/h / l/sm / l/km
Schallpegel*
dB(A)
Standgas eingekuppelt7001,70 / 3,150,80 / 0,47 / 0,2548
Revierfahrt (ca. 6,5 kn / 12 km/h)24506,50 / 12,045,70 / 0,88 / 0,4760
Gleitfahrtgrenze30009,40 / 17,418,70 / 0,93 / 0,5071
Marschfahrt400020,20 / 37,4112,50 / 0,62 / 0,3376
V-max.620034,60 / 64,0845,00 / 1,30 / 0,7089
Beschleunigung O-Vmax minus 1kn. (Sek): 12,5, Drehkreis in Bootslängen = 0,75 – 1,5,
Reichweite bei Revierfahrt/Marschfahrt (Tankinhalt-10 %) in sm (km): 133 (246) / 189 (349)
*Gemessen am (Innen)Fahrstand
Testbedingungen aus dem Testbericht über den Suzuki DF140BG, Testbericht im Motorboot Magazin
TESTBEDINGUNGEN: Revier: Ammersee, Wind (Bft)/Strom (kn)/Wellenhöhe(m): 1 / 0 / 0,25, Personen an Bord: 2 und 3, Tankinhalt Brennstoff/Wasser (Liter) ca.: 70 /-

Mein Fazit

Claus Breitenfeld – Testredakteur, Motorboot Magazin, Foto: Breitenfeld

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird jeder Rudergänger, dem das alte, mechanisch-hydraulische Schaltsystem der Vorgängermodelle – bislang uneingeschränkt zufriedenstellend – liebgewonnen war, einen Quantensprung in Sachen Fahrkultur erleben. Wer selbst einmal dieses perfektionierte Fahrfeeling im wahrsten Sinne des Wortes am Schalthebel dieser ausgereiften Technik gespürt hat, die fraglos zur elegantesten Art und Weise gehört, welche in der modernen Außenborder-Szene derzeit verfügbar ist, dessen Entscheidung „dafür“ oder „dagegen“ kann nur in eine Richtung tendieren … – „Drive-by-Wire“ – ohne Wenn und Aber.

Kontakt

Boat Solutions GmbH
Seestraße 8
D-86919 Utting am Ammersee
www.boatsolutions.de


Suzuki Deutschland GmbH
Suzuki-Allee 7
D-64625 Bensheim
www.suzuki-marine.de

Quelle

Motorboot Magazin
Ausgabe 10/2021