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Mit Booten aus Skandinavien kann man (fast) nichts falsch machen. Besonders in Finnland, wo das Boot nicht nur zum Vergnügen gefahren wird, sondern als Arbeits- und Transportvehikel jeden Tag bei Wind und Welle im Einsatz steht, kennt man sich mit den Anforderungen an robuste und zuverlässige Boote aus. Dass man Praktisches gut mit Optischem kombinieren kann, beweist Hersteller Silverboats auch mit seinem neuen Hawk-Modell ...

Ein Beitrag von Stefan Detjen (Text) und Thomas Hulliger (Fotos) im WAVE Magazin, Ausgabe 37

Krchrrrschrchhhhrrrrrr… das Geräusch lässt mir als GFKSkipper die Alarmglocken läuten und das Herz schneller schlagen. Wir sind gerade mit einer nigelnagelneuen Silver Hawk BR auf einen Kiesstrandstreifen am Zürichseeufer aufgefahren. „Beaching“ nennt man das, was man nicht mit vielen Booten machen kann. Alex Buholzer von Silverboats und der gleichnamigen Werft bleibt ganz entspannt und lächelt zufrieden. Dem Aluminiumrumpf mache das überhaupt nichts, mit seinem Familienboot sei dieses Manöver gang und gäbe. Ich schiebe den silberglänzenden Bowrider wieder zurück in sein nasses Element. „In Finnland tütscht man auch schon mal mit dem Rumpf an einen Felsen, erklärt Buholzer, „dann gibt es höchstens eine Delle, aber es bricht nichts.“

Die Silverboote haben es in sich: der Metallrumpf aus Marine-Aluminium ist an den seitlichen Bordwänden gleich doppelt aufgebaut, der Innenraum wird anschliessend ausgeschäumt. Selbst bei einer Beschädigung der Aussenhaut bleibt das Boot unsinkbar. Die Aluplatten am Rumpf sind 4 Millimeter stark, das ganze Boot wird handgeschweisst und die starke Kielschutzschiene sorgt für zusätzliche Sicherheit. Waren für mich Aluboote bisher immer gleichbedeutend für äusserst praktische, aber eher graue Mäuse, überraschen die Silvermodelle mit einem sportlich-gepflegten Design. Der Gesamtlook folgt den bereits in den letzten Jahren überarbeiteten Modellen Shark, Eagle und Fox. Dem Boot steht das sportive Aussehen gut, der spartanische Arbeitslook gehört der Verganghenheit an. Mit der optionalen Scheuerleiste verliert die Silver Hawk zwar etwas an Eleganz, gewinnt dafür aber beim problemlosen Handling beim An- und Ablegen.

Das Silver Hawk BR bei der Testfahrt, Foto: Thomas Hulliger

Extrem praktisch und pragmatisch

Trotz Redesign haben Seetüchtigkeit und Sicherheit immer noch höchste Priorität, das zeigt das verbesserte Layout mit hohem Freibord und damit tiefem, geschützem Cockpit. Die Höhe des Bugeinstiegs wurde etwas abgesenkt und die Konsole erhöht. Insgesamt ergibt das eine harmonische und gefällige Linie, eher zeitlos als trendy. Auch die Fensterhöhe konnte etwas abgesenkt werden, dank einer hydrodynamischen Optimierung der Rumpfunterseite wird Spritzwasser noch wirkungsvoller seitlich abgelenkt. Bei unserem Test kam kein einziger Spitzer auf die Cockpitscheiben. Diese sind aus Sicherheitsglas und mit stabilen Randstützen, an dem man sich unbesorgt festhalten kann. Die geraden Scheiben wurden vorne von der Konsole abgesetzt montiert, das sorgt für eine wirkungsvolle Hinterbelüftung, selbst wenn man bei Schlechtwetter das gesamte Verdeck komplett geschlossen montiert.

Es sind diese vielen Detaillösungen, mit der die Silver Hawk ihre Ausgereiftheit zeigt. Clever und qualitativ perfekt gelöste „Kleinigkeiten“ machen den Unterschied aus: solide und pflegeleichte Materialien und selbstlenzendes Cockpit (mit Gummi gesicherte Stopfen für die Lenzrohre) – einfach mit dem Wasserschlauch abspritzen, fertig. Das Cabrio-Verdeck lässt sich unsichtbar unter der klappbaren Rückbank verstauen. Apropos Stauraum: neben dem Vorschiff (Staufächer unter den Sitzen) gibt es auch im Cockpit unter dem Rücksitz genug Platz, um selbst Grosses verschwinden zu lassen. Ebenso praktisch sind die nützlichen Stau- und Ablagefächer in der Konsole. Die USB-Anschlüsse, ohne die es ja heute nicht mehr geht, wurden geschickt und geschützt platziert. Komfortabel sind auch die zwei Gasdruckfedern der Rücksitzklappe und die beiden Badeplattformen mit einer langen Badeleiter neben dem Aussenborder. Klug platzierte Handläufe sichern den Gang durchs ganze Boot.

Die Ausstattung des Silver Hawk BR, Foto: Thomas Hulliger

Spass auf dem See

Das Bootskonzept ist durch und durch bewährt: typisches Bowrider-Layout mit Bugsektion, mittiger Durchgang mit Glastüre, Fahrerkonsole an Steuerbord und Sitzbank im Achtercockpit. Die vorderen Sitzbänke verwandeln sich mit einem Mittelteil zum Einlegen und einem extra Polster in eine Sonnenliege. Zum Wasserskifahren oder zum Wakeboarden kann optional ein Zugmast eingesteckt werden. Unser Testboot hatte einen 100 PS Suzuki Aussenborder montiert, was der empfohlenen Maximalleistung entspricht. Diese Motorisierung reicht locker aus, um die 665 Kilo Leergewicht des Bootes, zwei Personen und einem vollen Tank (ca. 115 Liter) rassig über den See zu bewegen. Spürbare Beschleunigung beim Anfahren, fast unmerkliches Übergehen von der Verdränger- in die Gleitfahrt, Höchstgeschwindigkeit haarscharf an der 60-Km-Grenze – die Silver Hawk liegt perfekt im Trimm. Selbst engere Kurven nimmt sie spurtreu wie ein Gokart, bei etwas weiteren Kurven kann man sogar das Steuer loslassen. Nur wenn man es mit dem Kurvenradius zu eng treibt, mahnt die Hawk mit etwas Kavitation zur Vernunft. Jedoch völlig unproblematisch, ein kurzes Gegenlenken genügt und das Boot legt sich wieder auf seinen flachen Kiel. Dank der doppelwandigen Bauweise vermittelt die Hawk ein solides und souveränes Fahrgefühl, der Rumpf ist absolut verwindungssteif, auch bei sportlicher Performance. Skipper und Begleitperson sitzen komfortabel in den verstell- und drehbaren Sitzen. Die Steuerkonsole ist mit dem Raymarine Axiom9 Plotter und dem digitalen Multifunktionsinstrument von Suzuki angenehm übersichtlich. Sogar wenn wir mit Vollgas über (unsere selbstgemachten) Wellen brettern, die Hawk glänzt mit Laufruhe und liegt stabil im Wasser. Es kommt kein Spritzwasser über, der scharfe Vorsteven und der Knick am Rumpf schieben das Wasser elegant und weich zur Seite. Zurück beim Liegeplatz macht sich der Wendekreis von ein bis eineinhalb Längen positiv bemerkbar, die Silver Hawk ist easy im Handling und einfach zu drehen.

Das Silver Hawk BR, Foto: Thomas Hulliger | Boat Solutions

Das Silver Hawk BR, Foto: Thomas Hulliger

Fazit

Durch das problemlose Handling und das sicherer Fahrverhalten ist die Silver Hawk eigentlich ein ideales Boot für anspruchsvolle Einsteiger, die sich von der Dimension und dem etwas höheren Preis nicht abschrecken lassen. Doch es werden hauptsächlich erfahrene Wassersportler sein, die sich für diesen Bootstyp entscheiden. Weil sie genau wissen, was sie wollen und deshalb erkennen, was ihnen dieses finnische Sorgenfrei-Boot alles bietet. Und die auch weitsichtig genug sind, den Wiederverkaufswert in die Waagschale der Entscheidung zu werfen. Die Silver Hawk eignet sich als sicheres Bade- und Familienboot genau so gut wie als gut aufrüstbares Anglerboot für  Anspruchsvolle. Der Erfolg gibt dem finnischen Konzept recht: man findet
die Silver-Boote in der ganzen Schweiz, inkl. Bodenseezulassung.

Die gesamte 37. Ausgabe des WAVE Magazine ist online verfügbar. 

Erhalten Sie weitere Informationen zum Silver Hawk BR auf unserer Website.